
Da gab es mal einen Schlager, dessen Refrain lautete: “Wasser ist zum Waschen da – falleri und fallera – auch zum Zähne putzen – kann man es benutzen”. Das Ding war damals ein richtiger Gassenhauer. Auf jeden Fall grölten die Jungs auf der Strasse das seinerzeit lauthals, wann immer sie Lust dazu hatten.
Ohne Nahrung kann ein Mensch ziemlich lange, so etwa knapp 2 Monate überleben. Nach dieser Zeitspanne wird er halluzinieren und irgendwann dann ins Gras beissen, wenn er nicht endlich etwas isst. Ich hab das mit der Nichtaufnahme von Nahrung selber schon ein paar Mal jeweils über ungefähr zwei Wochen probiert. Absolut kein Problem solange man genügend Flüssigkeit zu sich nimmt. Im Gegenteil. Nach zwei Wochen ist man so richtig fit und fühlt sich sauwohl.
Mit der Luft sieht es allerdings ganz anders aus. Ohne Luft fällt bei einem untrainierten Menschen nach ungefähr 2-3 Minuten die Klappe. Aus die Maus, das war’s dann schon. Wenn man also beim Tauchen ohne Flasche irgendwo hängen bleibt, dann hat man ein echtes Problem. Aber so blöd ist ja kaum einer, dass er alleine und ohne Flasche tauchen geht. Sollte man meinen.
Und damit wären wir beim Wasser.
Wenn der Mensch kein Wasser hat, dann macht er das höchstens drei Tage. In Australien soll schon jemand, weil es sehr heiss war, nach einem Tag verstorben sein. Und es geistern auch Gerüchte herum, dass es Menschen gegeben hätte, die es schafften, sechs und mehr Tage ohne Wasser auszukommen. Doch das dürfte eher die Ausnahme denn die Regel sein. Sofern es überhaupt stimmt.
Also halten wir doch einmal gemeinsam fest: In aller Regel kann ein Mensch bis zu drei Tage ohne Flüssigkeit, ohne Wasser, auskommen und dann ist, in jeder Beziehung, “Matthäi am Letzten”. Dann haucht er sein Leben aus. Ende der Vorstellung. Amen.
Und darum ist es auch so wichtig, dass die Wasserversorgung der Menschen nicht konzernmässig kommerzialisiert wird. Dass Wasser als solches keine Handelsware ist sondern ein Menschenrecht. Nun, so dachte ich zumindest immer. Es war eindeutig so, dass das Wasser, zumindest in Europa, von den jeweiligen Kommunen für deren Bürger verarbeitet, ausgegeben und verwaltet wurde.
Irgendwann, es war wohl Anfang 2011, wurde ich darauf aufmerksam, dass die grossen Konzerne drauf und dran sind, die Wasserversorgung weltweit zu kommerzialisieren und zu privatisieren. Gleichzeitig kam der Hinweis, dass bei Arte ein Dokumentarfilm in dieser Sache gebracht würde. Es ging hauptsächlich um den Versuch, in Frankreich die Wasserversorgung zu privatisieren. Im Vorfeld der Ausstrahlung wurde von den entsprechenden Konzernen Veolia und GDF Suez, mit extrem viel Druck auf allen Ebenen versucht, zu verhindern, dass der Film überhaupt gezeigt würde.
Da wurde gar nichts, aber auch gar nichts ausgelassen. Von der direkten Ansprache bei den Verantwortlichen, den Film nicht zu zeigen, bis zu massiven Klagedrohungen war alles dabei. Dass Arte sich nicht beirren liess, spricht für die Macher des Senders. Dass sich die Filmemacher Leslie Frankie und Herdolor Lorenz ebensowenig einschüchtern liessen, sondern im Gegenteil für einen umfassenden Kinostart in 150 Städten Europas sorgten, zeigt dass sie ziemlich mutig sind. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Bis heute haben gegen 1,5 Millionen Menschen den Film gesehen.
Da nach deutschem Recht eine Klage gegen die Filmemacher offensichtlich ziemlich chancenlos war, unterliessen die Konzernbosse das und begnügten sich mit einer Klageeinreichung gegen die französischen Filmvertreiber.
Der Film heisst und hiess “Water Makes Money”, man findet ihn im Internet, kann ihn als DVD kaufen und er ist in unzähligen Kinos gelaufen. Und Sparschweine werden mittlerweile auch bei Youtube zum Nulltarif fündig. Natürlich habe ich mir die Doku angeschaut. Und, ehrlich gesagt, ich war ziemlich schockiert. Beruhigt nahm ich zur Kenntnis, dass wegen dem Druck der Bevölkerung, beispielsweise in Paris, Berlin und anderswo die Rekommunalisierung eingeleitet werde.
Und dann war eine Zeitlang Ruhe in dieser Angelegenheit. Scheinbare Ruhe. Mediale Ruhe. Sozusagen ein Europaweiter medialer Informationsstop in Sachen Handelsware Wasser. Und damit ist nicht das Flaschenwasser von Nestle gemeint, obwohl deren Boss Brabeck der Ansicht ist, dass Wasser kein öffentliches Recht sein darf.
Nein, es geht nicht um Flaschenwasser. Es geht um das Wasser, das beispielsweise gratis aus öffentlichen Brunnen läuft. Und vor allem geht es um das Wasser das, von Ihrem kommunalen Wasserwerk geliefert, bei Ihnen zu Hause aus dem Hahnen läuft. Und es geht um das Wasser das, beispielswseise, die Bauern für ihre Tiere brauchen.
Der Refrain des im Eingangs erwähnten Schlagers ging ja so weiter: “Wasser braucht das liebe Vieh – fallera und falleri – auch die Feuerwehr, braucht das Wasser sehr”. Beispielsweise wenn Ihre Hütte am abfackeln ist oder wenn Ihre Wohnung brennt.
Wie gesagt, es war eine Zeitlang Ruhe in Sachen “Wasser ist eine Handelsware” und deshalb zu privatisieren. Scheinbare Ruhe. Mediale Ruhe. Sozusagen ein Europaweiter Informationsstop. Bis dann herauskam, dass bei der EU heimlich still und leise eine Richtlinie ausgearbeitet wurde, die nur ein wirkliches Ziel hat: in der GESAMTEN EU die Wasserversorgung zu privatisieren.
Jetzt schauen wir uns einmal, in ein paar wenige Beispielen, gemeinsam an, was so alles passiert, wenn die Wasserversorgung nicht mehr bei den Kommunen sondern bei den Konzernen liegt:
In London wurde die Wasserqualität deutlich schlechter, die Preise sind jedoch gestiegen. Und weil das Netz der Wasserleitungen alt und brüchig war, wurde nicht erneuert, das kostet ja Geld, sondern es wurde der Wasserdruck verringert. Das hatte dann zur Folge, dass den Bewohnern in höheren Wohnlagen nur noch Rinnsale aus den Hahnen liefen.
In Portugal sind die Preise um 400% gestiegen. Die öffentlichen Brunnen wurden nicht mehr mit Wasser bedient. Das Wasser wurde, obwohl immer teurer, in der Qualität immer schlechter. Und es gibt dort Menschen, die sich das lebensnotwendige, saubere Wasser sozusagen nicht mehr leisten können.
Griechenland wird derzeit von der EU ebenfalls unter Druck gesetzt, Athen und Tessaloniki sollen ihre Wasserversorgung verkaufen damit sie von den Schulden runterkommen.
Die Pariser machten, in jeder Beziehung, so schlechte Erfahrungen mit der Handelsware Wasser, dass derzeit eine Rekommunalisierung im Gange ist.
Auch in Berlin, wo die Konzerne, unter anderem RWE, mit 49% bei der Wasserversorgung beteiligt sind, wurde das Wasser zwar nicht besser, aber dafür wesentlich teurer. Dort hat eine Protestgruppe nun erreicht, dass die Verträge zurückgekauft werden. Das wird zwar ziemlich teuer, aber besser so als andersrum.
Die Liste liesse sich beliebig verlängern, aber es reicht auch so. Da gehen die Konzerne also zu den verschuldeten Kommunen und bieten denen an, dass sie ihnen ihre Schuldenlast erleichtern, indem sie die Wasser-Versorgung der Stadt käuflich erwerben. Man kann mit Fug und Recht sagen, die aqkuirieren so richtig heftig bei den Kommunen, damit die Wasserversorgung privatisiert wird und sie, die Konzerne, diese erhalten. Natürlich nicht weil sie den Menschen besseres Wasser zu günstigeren Preisen anbieten wollen. Das wird zwar behauptet, das Gegenteil ist jedoch nachweislich der Fall.
Gottseilobunddank gibt es eine europäische Bürgerinitiative in dieser Sache. Die sammeln Unterschriften. Sie haben über 800’000 bereits gesammelt. Und brauchen bis September eine Million. Unten finden Sie den Link zu dieser Initiative, dort können Sie sich informieren und wenn Sie Bürger der EU sind, auch unterschreiben.
Und nun eine Bitte: Sorgen Sie dafür, dass in Ihrem Bekanntenkreis der obenstehende Link bekannt wird. Helfen Sie mit, dass die Unterschriften zusammenkommen. Damit bei der EU umgekehrt Druck gemacht werden kann.
Und weil das Ganze eigentlich ein trauriges Kapitel ist, am Schluss noch der Auftritt von Erwin Pelzig bei “Neues aus der Anstalt”. Dann haben Sie wenigstens etwas zum Lachen auch wenn’s gar nicht zum Lachen ist.
Und falls Sie sich fragen, welche Konzerne da so mitmischen beim Kampf ums flüssige Gold:
In der Schweiz und damit natürlich weltweit, liegt Nestle schon, bildlich gesprochen, in den Startlöchern. In Frankreich sind es die Konzerne Veolia und GDF Suez, die haben natürlich jetzt schon einen Wettbewerbsvorteil. In Deutschland RWE und in England nebst vielen anderen Thames Water. Um nur einige wenige zu nennen. Alle aufzulisten wäre ganz schön langweilig. Aber Sie können sich ohne weiteres weitere Informationen in den entsprechenden Plattformen im Internet holen.
Und falls es Sie noch interessiert: Der entsprechende Prozess gegen die Film-Vertreiber in Frankreich beginnt am 14.2.2013 um 13h30 im Pariser Justizpalast. Zwei Tage vorher bringt Arte noch einmal den Film. Und wenn Sie den nicht kennen, schauen Sie doch mal rein. Sie werden staunen.
Hier gehts zur Europäischen Bürgerinitiative: http://right2water.eu/de
Und da geht’s zum sehenswerten Auftritt von Erwin Pelzig: http://youtu.be/jIhNvItGWsU